Vom eigenständigen Zuchtverband zum Hannoveraner Bezirksverband

Pferdezentrum Alsfeld
Das Pferdezentrum in Alsfeld


Als Bindeglied zwischen Nord- und Süddeutschland ist Hessen eines der landschaftlich schönsten Bundesländer. Das Land zwischen Weser und Neckar ist geprägt durch hintereinander gestaffelte Mittelgebirge mit ihrem Wäldermeer, zwischen denen die Flussläufe nach Norden und Westen ziehen, vorbei an bunten Ackerbreiten, fachwerkgeschmückten Dörfern und romantischen Kleinstädten, die vielfach von burgengekrönten Bergkegeln überragt werden. Neben dem industriellen Ballungsraum zwischen Rhein und Main gibt es weite, landwirtschaftlich geprägte Bezirke. Typisch für Hessen sind hängige, flachgründige Buntsandstein- und Muschelkalkböden und eine kleinflächige Betriebsstruktur.

Verbandsentwicklung bis 2005
Der Strukturwandel macht sich jedoch besonders bei kleineren Zuchtverbänden deutlich bemerkbar. Der eigenständige Marktplatz Alsfeld blieb trotz gut organisierter Auktions- und Körveranstaltungen auf Dauer zu klein und konnte nicht genügend Außenwirkung erzielen. Hinzu kamen rückläufige Mitglieder- und Stutenzahlen, im Jahr 2004 waren es noch 2078 Warmblutstuten. Diese trafen mit weiteren ungünstigen Rahmenbedingungen zusammen: Allgemein schwierige Marktlage, Generationswechsel in der Züchterschaft, Personalabbau in der Agrarverwaltung und vieles mehr ließen füsr den Verband Hessischer Pferdezüchter zunehmend einen Zusammenschluss mit anderen Partnern sinnvoll erscheinen, um eine sichere Position für die Zukunft zu finden.

Bis 2005 war der Verband Hessischer Pferdezüchter Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Süddeutscher Pferdezuchtverbände. Ein Zusammenschluss dieser Verbände war und ist nicht vorgesehen. Für die Entscheidung, einen Zusammenschluss Hessen-Hannover anzustreben, lieferte die Ausdehnung des Hannoveraner Verbandes auf das Bundesland Hessen zu Jahresbeginn 2005 den aktuellen Anlass. Schon in der Vergangenheit hatten sich einige hessische Züchter dem Hannoveraner Verband angeschlossen.

Entscheidung für die Zukunft
In der hessischen Delegiertenversammlung Alsfeld am 01. Juli 2005 gab es dann ein einstimmiges Votum für den Zusammenschluss. Diesem folgte ein bis auf eine Stimme ebenfalls einstimmiges Votum im hannoverschen Verband. Der bisherige Verband Hessischer Pferdezüchter e.V. ging im Verband hannoverscher Warmblutzüchter e.V. auf und erhielt den Status eines Bezirksverbandes. Das Pferdezentrum Alsfeld wird seitdem unter hannoverscher Regie als Ausbildungs- und Absatzzentrum weitergeführt und steht für die Züchter in Hessen und Niedersachsen zur Verfügung.

85% der im Verband Hessischer Pferdezüchter eingetragenen Stuten konnten in das hannoversche Hauptstutbuch übernommen werden, 10% in das Stutbuch und 2,7% in das Vorbuch. Lediglich 2,3% der VHP- Stuten konnten nicht in das hannoversche Zuchtbuch übernommen werden. Der Wunsch und die Bereitschaft, das Hannoveraner Zuchtprogramm zu übernehmen und die eigene Zucht gegebenenfalls umzustellen, war bei der großen Mehrheit der hessischen Züchter festzustellen. Wer als einzelner Züchter diesem Weg nicht oder nicht mit allen Stuten folgen wollte, dem standen Alternativen offen. Bis zum Geburtsjahr 2009 (Deckjahr 2008) führt der Hannoveraner Verband noch eine gesonderte Abteilung „Zuchtbuch Hessen“ mit dem bisherigen hessischen Brandzeichen.

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Das Hessische Landgestüt Dillenburg

Die „rechtliche“ Gleichstellung der hessisch gezogenen Stuten und Hengste im Hannoveraner Verband zeigt den partnerschaftlichen Charakter der Verschmelzungsaktion, wie auch die Gespräche und Verhandlungen in freundlicher, ehrlicher und konstruktiver Weise geführt wurden. Das Zusammenwachsen der Zuchtgebiete Hessen und Hannover scheint problemlos zu gelingen und bringt beiden Partnern Vorteile und Nutzen. Ebenso unproblematisch gestaltete sich von Beginn an die Zusammenarbeit der Landgestüte Dillenburg und Celle.

Personen und Zahlen
Vorsitzender des ehemaligen Verbandes Hessischer Pferdezüchter war Gerhard Senckenberg, Geschäftsführerin Elke Fietzner, Zuchtleiter Florian Solle. Zu Jahresbeginn 2005 gehörten 2.395 Mitglieder dem hessischen Verband an, verteilt auf die Abteilungen Warmblut (2.091 Mitglieder, 2.078 Stuten), Haflinger (199 Mitglieder, 270 Stuten), Kaltblut (83 Mitglieder, 112 Stuten) und Spezialrassen (22 Mitglieder, 39 Stuten). Neben den drei rassebezogenen Vereinen gab es aus der Tradition heraus 25 regionale Pferdezuchtvereine als Unterorgane des Verbandes.

Unmittelbar nach der Verschmelzung der Zuchtverbände Hessen und Hannover formierte sich der „Bezirksverband Hessen im Verband hannoverscher Warmblutzüchter e.V.“. Zum Vorsitzenden und Stellvertreter wurden Gerhard Senckenberg und Konrad Böth gewählt, die schon in der Vorbereitung der Verbandszusammenführung die wichtigsten Ansprechpartner des Hannoveraner Verbandes waren. Die Geschäftsstelle des Bezirksverbandes unter der Leitung von Elke Fietzner behielt ihren Sitz im Pferdezentrum Alsfeld.

Als weitere Vorstandmitglieder des Bezirksverbandes Hessen wurden Antje Römer-Stauber, Reinhold Eitenmüller, Franz-Wilhelm Löer, Walter Robert, Herbert Sauer, und Michael Tilp gewählt. Diese vertreten gleichzeitig die in den Regionen neu zu organisierenden Pferdezuchtvereine. Als Bezirksjugendsprecher gehört Ralf Wagner dem Vorstand an sowie mit beratender Stimme Florian Solle.

Ausgangspunkt der Neustrukturierung der Vereine waren 1.311 Mitglieder und 1.867 Stuten. Zügig und zumeist problemlos gründeten sich neue, größere Pferdezuchtvereine durch Zusammenlegung oder Auflösung der bestehenden Vereine. Die heutige Struktur ist der in anderen Hannoveraner Bezirksverbänden vergleichbar.

Zu Jahresbeginn 2008 hatte der Bezirksverband Hessen 1.642 Mitglieder mit 1.529 eingetragenen Zuchtstuten. Etabliert haben sich in Hessen 9 regionale Pferdezuchtvereine unterschiedlicher Größe, wobei die Umstrukturierung noch nicht ganz abgeschlossen ist. Aktuell hinzugekommen ist der neu gegründete Pferdezuchtverein Baden-Württemberg, der formell dem Bezirksverband Hessen zugeordnet wurde. Für die Hannoveraner Züchter in Hessen gibt es neben den Zuchtschauen der Vereine weitere Möglichkeiten, ihre Pferde auszustellen, so die regionalen, oft bedeutenden Bezirks- und Kreistierschauen. Zentral in Alsfeld findet die jährliche Bezirksstutenschau mit Fohlenchampionat statt, ebenso der „Tag des jungen Pferdes“, Auktionsauswahlen, Verkaufstage und vieles mehr.

Pferdezuchtvereine im Bezirksverband Hessen-Süddeutschland

Pferdezuchtverein Bayern
Vorsitzender: Toni Kornes
Geschäftsführer: Andrea Leipold

Pferdezuchtverein Baden-Württemberg
Vorsitzender: Roland Rösch, Reutlingen
Geschäftsführerin: Eugen Schmidinger, Aichstetten

Pferdezuchtverein Ederbergland-Werra
Vorsitzender: Herbert Sauer, Fritzlar
Geschäftsführer: Birgit Grunewald, Gemünden

Pferdezuchtverein Lahn-Dill
Vorsitzender: Frank Stecher, Eschenburg
Geschäftsführerin: Christiane Alt

Pferdezuchtverein Mittelhessen
Vorsitzender: Bernd Feuerstein, Ober-Mörlen
Geschäftsführerin: Cordula Mohs

Pferdezuchtverein Nordhessen
Vorsitzender: Bernd Hickert, Marsberg
Geschäftsführer: Rainer Figgen, Medebach

Pferdezuchtverein Odenwald-Starkenburg
Vorsitzender: Andreas Müller, Erbach
Geschäftsführer: Mathias Vilhard, Brombachtal

Pferdezuchtverein Osthessen
Vorsitzender: Matthias Bug, Petersberg-Böckels
Geschäftsführer: Thomas Stupp, Hünfeld-Dammersbach

Pferdezuchtverein Westerwald-Taunus
Vorsitzender: Helge Deußer, Hünfelden-Kirberg
Geschäftsführerin: Christel Deußer, Hünfelden-Kirberg

Pferdezuchtverein Wiesbaden-Main-Taunus
Vorsitzender: Egon Klotz
Geschäftsführer: Mechthild Stang, Schloßborn

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