In allen Teilen Hessen gab es schon seit Jahrhunderten hochwertige Zuchtstätten. Führend waren zunächst die Zuchten der Landesfürsten. 1724 erhob Landgraf Karl das Gestüt Beberbeck mit dem von einer 4m hohen Mauer eingefriedigten Bergpark zum Hofgestüt. 

In allen Teilen Hessen gab es schon seit Jahrhunderten hochwertige Zuchtstätten. Führend waren zunächst die Zuchten der Landesfürsten. 1724 erhob Landgraf Karl das Gestüt Beberbeck mit dem von einer 4m hohen Mauer eingefriedigten Bergpark zum Hofgestüt. Besondere züchterische Bedeutung erlangte Beberbeck als preußisches Hauptgestüt 1876.

tradition 01Schon 1490 werden die "Wilden aus der Stout Zapfenberg" (Sababurg) erwähnt, jene in der Waldeinsamkeit des Reinhardswaldes gehaltenen eisenharten, kräftigen, beweglichen und ausdauernden Pferde, die den besten Tauschartikel des Hofes von Hessen-Kassel abgaben.

In den folgenden 45 Jahren lieferte es allein 21 Hauptbeschäler und 418 Landbeschäler, die fast allen deutschen Zuchtgebieten (besonders Hannover und Ostpreußen) wichtige züchterische Impulse gaben. Um 1700 wurde das Hofgestüt Ulrichstein des späteren Großherzogtums Hessens im Vogelsberg eingerichtet.

Bis 1849 wurde hier in Anpaarung orientalischer Stuten mit preußischen, mecklenburgischen und englischen Hengsten ein "Starker Mittelschlag mit trockenen Schenkeln und hoch angesetzten Schweifen, kraftvoll und ausdauernd" gezüchtet, der für die Zwecke des Hofes, der Reitergruppe und später als Landbeschäler gut geeignet war.

In den nassauischen Landen wurde besonders das Hofgestüt der Dillenburger Grafen bekannt. Die hier auf der Basis holsteiner und dänischer Stuten mit spanischen, neapolitanischen und orientalischen Hengsten gezüchteten "Dillenburger Ramsnasen", ein kräftiger, dabei schöner Mittelschlag mit trockenen und sehnigen Gliedern und hoher Aktion" waren auf den Pferdemärkten des 16. Jahrhunderts weithin gefragt. Später richteten weitblickende Landesherren Landgestüte ein: bereits 1737 Landgraf Wilhelm VIII. das Landgestüt Kassel (nach dem Vorbild des zwei Jahre vorher gegründeten Landgestüts Celle), 1811 Großherzog Ludwig I. das Landgestüt Darmstadt, 1811 Herzog Friedrich August von Nassau das Landgestüt Weilburg und im gleichen Jahr Fürst Friedrich von Waldeck das Landgestüt Arolsen.

landkarte

In diesen Depots wurden Hengste für die Landeszucht bereitgestellt, zunächst unentgeltlich, später gegen geringes Deckgeld, aber der Verpflichtung, dem Staat ein Vorkaufsrecht für die nicht selbst benötigten Fohlen bzw. Jungpferde einzuräumen. 1870 führte die preußische Verwaltung die 103 Hengste aus Kassel sowie die 12 waldeckschen und 17 nassauischen Landbeschäler in dem neu errichteten Hessen-Nassauischen Landgestüt Dillenburg zusammen. 1956 kamen auch die Hengste des aufgelösten Landgestüts Darmstadt hinzu. 240 Jahre lang haben hessische Landgestüte die züchterische Entwicklung der heimischen Zucht mit gesteuert und die Züchter in Haltungsfragen beraten.

Als Bindeglied zwischen Nord- und Süd-deutschland ist Hessen eines der landschaftlich schönsten Bundesländer. Das Land zwischen Weser und Neckar ist geprägt durch hinter einander gestaffelte Mittelgebirge mit ihrem Wäldermeer, zwischen denen die Flußläufe nach Norden und Westen ziehen, vorbei an bunten Ackerbreiten, fachwerkgeschmückten Dörfern und romantischen Kleinstädten, die vielfach von burgengekrönten Bergekegeln überragt werden. Neben dem industriellen Ballungsraum zwischen Rhein und Main gibt es weite, landschaftlich geprägte Bezirke.

Für diese sind, wie in manchen landschaftlich reizvollen Gegenden, die Erzeugungsbedingungen vielfach schwierig. Typisch sind hier hängige, flachgründige Buntsandstein- und Muschelkalkböden. Sie bieten die Grundlage für eine vielfältige Pflanzengesellschaft, für einen mineral- und nährstoffreichen Futteraufwuchs. Gerade der wachsende Organismus mit seinem speziellen Bedarf an verdaulichen Rohprotein sowie an Mineral- und Wirkstoffen findet hier ideale Voraussetzungen für die Entwicklung des Skeletts und Bewegungsapparates.

Die kleinflächige Betriebsstruktur ist nur von besonders tüchtigen und fleißigen Bauern erfolgreich zu meistern. Sie ersetzen die fehlende Flächenausstattung durch eine auf hoher Stufe stehende Veredelungserzeugung über die Viehhaltung. Schon vor 200 Jahren bestätigten anerkannte Fachleute den hessischen Bauern, "daß sie in ihrem von der Natur wenig gesegneten Land helfen, das Mangelnde rühmlich zu ersetzen" und "für die Züchtung, Aufzucht und Behandlung der Tiere den nötigen Takt haben".

tradition 02 Gin DorIhre besondere Passion gilt von alters her der Pferdezucht. Erwähnt seien nur die damals an allen europäischen Höfen begehrten "Dillenburger Ramsnasen".

In der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts stand die Zucht des Kaltblutpferdes im Vordergrund, das in Hessen eine besonders wirtschaftliche Typprägung fand. Daneben entwickelte sich die Zucht des Wirtschaftswarmblutpferdes auf der Grundlage von Oldenburgern und Holsteinern. Als nach dem Krieg durch die Motorisierung der Bedarf und die Nutzung sich wandelten, waren diese einsatzfreudigen und menschengeprägten Karossiers die Grundlage für ein edles, großrahmiges Reitpferd, das vielseitig einzusetzen ist.

Auch heute noch wird die Mehrheit der Hessenpferde in bäuerlichen Betrieben mit ein bis zwei Stuten gezogen. Dadurch geht die Prägung auf den Menschen nicht verloren. Die Pferde gehören zur Familie.  

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